Pflegeaktion im März 2013

BUND-Mitglied Herbert Görlich vom Albgärtle und die Jungs vom „Halzhausener Bolzplatzkick“ haben die Hecken ausgeschnitten, damit die Wiesen- und Heckenränder wieder lichter werden. So können nun wieder schattenliebende Gräser und Blumen wachsen und manche Vogelarten brauchen die lichten Hecken, um sich wohlzufühlen.

Fam. Schaude aus Halzhausen lieh für den Transport der Äste zum Grüngutplatz den Traktor aus. Dafür herzlichen Dank! An der ca. dreistündigen Aktion haben sich insgesamt 9 Mann beteiligt, denen das abschließende gemeinsame Vesper mundete.

  • Zunächst wurden die Hecken ausgelichtet, dann auf den Hänger geladen. Anschließend gings mit dem Traktor zum Grüngutplatz.

Erhaltung einer klein geklammerten Alblandschaft mit Hecken, schmalen Wiesenstreifen und einem kurlturhistorisch wertvollen Nieder- bis Mittelwald nach dem Prinzip „Pflege durch angepasste Nutzung“

 

Pflege und Nutzung von Wiesen, Hecken und Mittelwald im „Schmerlaib“

Im Flurbereinigungsverfahren war diese 2,7 ha große Fläche als Sukzessionsfläche vorgesehen, d. h. sie sollte sich zu einem normalen Hochwald entwickeln. Als Ausgleich für zwei BUND-Grundstücke in einem geplanten Baugebiet erhielt der BUND die Grunddienstbarkeit zu Zwecken des Naturschutzes eingetragen. Seit 1985 pflegt der BUND die Fläche:

a)      Die Heckenreihen werden in einem langjährigen Rhythmus auf den Stock gesetzt. Die in den Hecken stehenden alten Obstbäume werden regelmäßig frei geschnitten und gepflegt. In den Hecken sind so ziemlich alle Heckenstraucharten der Schwäbischen Alb zu finden. An der Westseite des Geländes wurde entlang eines Weges eine neue Hecke gepflanzt, die nur aus Pflanzen, die bei Heckenrodungen für die Erweiterung eines Industriebetriebes anfielen, besteht. Prägende Bäume werden stehen gelassen.

b)      Die Wiesenstreifen werden von BUND Mitgliedern ohne Kunstdünger und Gülle nur mit altem Mist gedüngt und zwei mal jährlich gemäht. Der Wanderschäfer weidet das Herbstgras ab. Als der BUND die Fläche übernahm, waren die Wiesen fast ganz zu gewachsen, sie machten den Eindruck etwas breiterer Waldwege. Hecken und Waldrand bedrängen die Wiesen weiterhin, deshalb werden die Ränder immer wieder frei geschnitten. Es hat sie eine Rain-Vegetation zum Beispiel mit Ackerwachtelweizen entwickelt.

c)       Eine kulturhistorische Besonderheit stellt der Wald dar: Er diente nicht nur wie die Hecken zur Brennholzgewinnung, sondern er wurde auch zur Gewinnung von Eichenrinde, zur Herstellung von Gerberlohe genutzt. Außerdem wurden Haselnussruten zum Ausflechten des Fachwerks gewonnen. Das Geflecht wurde anschließend mit Strohlehm zugekleistert. Durch diese Dreifach-Nutzung hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine ganz besondere Pflanzengesellschaft gebildet. Eine Mischung aus breiter Feldhecke, Niederwald (Haselnuss) und Mittelwald (Stieleiche). In dem lichten Wald in Südexposition fand auch noch die Vogelkirsche ihren Platz. Die Krautschicht ist im Frühling durch die hohe Schlüsselblume und im Frühsommer durch das stattliche Knabenkraut charakterisiert.

Dieser Wald hat sich in Folge fehlender Nutzung in den letzten hundert Jahren immer mehr Richtung Buchenhochwald entwickelt. Die Besonderheit lief Gefahr zu verschwinden. Die Frage der Pflege wurde mit Dr. Klepser (damals BNL Tübingen) erörtert. Es gab keine Literatur genau über diesen Waldtyp. Eine exakt der frühereren Nutzung entsprechende Pflege schied aus. Da es doch auch interessante andere Bäume und Sträucher gibt. So entschloss sich die BUND Gruppe, in jährlichen Pflegemaßnahmen den Waldtyp wieder in die ursprüngliche Mischung aus Mittel- und Niederwald zu verändern, wobei aber besonders bizarre Hochwaldbäume stehen gelassen werden und auf Artenvielfalt Wert gelegt wird. In großen Teilen ist so der ursprüngliche Stieleichen-Vogelkirschen-Haselnusswald wieder entstanden. Einige Teile müssen noch intensiv gepflegt werden. Ein kleiner Teil ist schon beinah zum relativ artenarmen Rotbuchenhochwald geworden. Hier wird die Umwandlung noch einige Jahre dauern. Das anfallende Holz wurde bis 1995 zur Heizung der Geschäftsstelle im ehemaligen Bahnhof verwendet. Heute dient es quasi als Entlohnung für die Helfer. Auch das Holz der Hecken wird zu Heizzwecken verwandt. Das Reisig wird teilweise zum Kompostplatz der Gemeinde gebracht, teilweise bleibt es auf geeigneten Flächen auf dem Grundstück und ist dort bevorzugter Nistplatz, zum Beispiel für den Zaunkönig. Aus dem Beinah-Rotbuchenwald ist wieder ein richtiges Naturparadies geworden, das außerdem noch ein eindrucksvolles Zeugnis einer früherer Nutzung darstellt.

Das ganze Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet Lonsee und ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Außerdem ist es 24a – Biotop.


Sachbericht Schmerlaib 2009

Die Pflegemaßnahme wurde am 10.10.2009 begonnen und am 28.11.2009 abgeschlossen. Sie bestand aus Auslichten von Niedrigbewuchs (Hecken, Büsche) und Entfernen von zu dicht stehenden Bäumen und überhandnehmenden Rotbuchen.

Landschaftspflege im Schmerlaib im Sommer 2008