Biber-Fragen

  1. Sind die Biber von allein in das Lonetal eingewandert oder wurden sie ausgesetzt?

Das erste Biberpaar ist im Jahr 1999, als die Lone längere Zeit durchgehend Wasser führte, von der Donau über die Brenz und die Hürbe ohne menschliche Hilfe in die Lone eingewandert.

An der Donau bei Ingolstadt wurden 1966 einige Biber aus Osteuropa ausgesetzt. Seitdem haben sie begonnen ihren ursprünglichen Lebensraum wieder zu besiedeln.

 

  1. Gab es früher Biber im Lonetal?

Im Mittelalter waren alle geeigneten Fließgewässer und die meisten stehenden Gewässer bis in etwa 1000 m Höhe von Bibern besiedelt, was Orts- und Flurnamen sowie Berichte und Knochenfunde beweisen. Auch im Lonetal hat es Biber gegeben. Lokal schon Ende des Mittelalters und beinahe flächendeckend wurden die Biber ab der Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Jagd ausgerottet, nachdem 1765 Schonzeiten für Biber aufgehoben wurden. Neben dem Biberpelz waren vor allem das Fleisch als Fastenspeise, das Bibergeil als Schmerzmittel und die Zähne als Amulett begehrt. Endgültig beschlossen war das Aus für den Biber, als sein Wirken der Trockenlegung der Moore, der Regulierung der Fließgewässer und der Umwandlung von Auwald in Forste entgegenstand.

In Deutschland konnten nur wenige Paare an der Elbe und an der Oder der Ausrottung entgehen.

 

  1. Was fressen Biber?

Biber sind reine Vegetarier und fressen während der Vegetationszeit Gras, Kräuter und, wenn leicht erreichbar, mit Vorliebe Zuckerrüben, Mais, Raps und Getreide. Im Winter stellen sie ihre Ernährung auf holzige Nahrung wie Rinde, Zweige und Knospen um. Sie können dazu als einzige Tierart ihr Verdauungssystem völlig umstellen. Im Spätherbst sorgen sie für den Winter vor, indem sie Zweige gebündelt in die Nähe des Baus schleppen und unter Wasser befestigen. So können sie, wenn das Gewässer zufriert, an Nahrung kommen.

 

  1. Warum bauen Biber Dämme?

Biber können sich im Wasser auf Grund verschiedener Eigenschaften viel schneller und wendiger bewegen als an Land. Der Eingang zum Bau und zu Fluchtröhren muss daher dauernd unter Wasser liegen. Um eine Mindestwassertiefe im Wohnungs- und Nahungsrevier von 60 bis 80 cm dauerhaft zu erhalten, bauen sie Dämme.

 

  1. Wo wohnen Biber?

Einzeltiere wohnen zunächst meist in Bisamröhren, die sie auf Bibergröße erweitern. Ihr Zugang muss immer unter Wasser liegen, der Wohnraum aber über dem Wasserspiegel. Wird der Wohnraumbedarf nach Familiengründung größer, wird der Bau nach oben vergrößert, so dass meist das „Dach“ einbricht. Deshalb wird darüber eine sogenannte Biberburg gebaut, ein Haufen Reisig, der mit Gras und Lehm abgedichtet wird.

 

  1. Wie stark können sich Biber vermehren?

Biberpaare sind sich ihr Leben lang treu und bekommen jährlich im Spätfrühling 1 bis 4 Junge. Diese bleiben bis zum Alter von 2 Jahren bei der Familie und werden dann vor der Geburt der nächsten Geschwister im Frühling aus dem Nest geworfen. Sie gehen auf Reviersuche, zunächst im heimischen Gewässer, aber auch über Land. Besetzte Reviere, das sind mehrere Kilometer lange Bachabschnitte, werden von den Revierinhabern verteidigt. So gibt es im ganzen Lonetal bisher nur zwei Biberreviere mit jeweils etwa 6 Tieren, zwei Reviere in Gründung mit je 2 Tieren und etwa 3 bis 4 reviersuchende Jungtiere, die aber keine Chance auf ein eigenes Revier haben.

Die Zahl der Tiere wird nicht durch Feinde reguliert sondern durch Ausfälle vor allem bei den Jungtieren, die bei der Nahrungsumstellung Muttermilch – Grünfutter – Holz Probleme bekommen. Andere werden Opfer von Infektionen, oft verursacht durch Bisse bei Revierkämpfen, des Straßen- und Traktorverkehrs oder von Vergiftungen durch Spritzmittel. So wird das gesamte Lonetal kaum mehr als die derzeitige Zahl von maximal 20 Tieren beherbergen. In Baden-Württemberg gibt es bisher etwa 1000 Tiere, die meisten im Flussgebiet von Donau und Hochrhein, während es im Regierungsbezirk Karlsruhe noch keinen Biber gibt. Zum Vergleich: Das doppelt so große Bayern besitzt etwa 8000 Biber, in den baltischen Staaten leben bei vergleichbarer Größe jeweils über 30 000 Biber.

 

  1. Stehen Biber unter Naturschutz?

Biber gehören zu den in Europa am strengsten geschützten Tierarten (FFH-Art und Artenschutz). Sie unterliegen deshalb nicht dem Jagdrecht. Biber dürfen weder getötet, gefangen, gestört noch beeinträchtigt werden. Zuwiderhandlungen gelten als Straftatbestand. Allein das Zerstören eines Biberdammes wird derzeit vom Amtsgericht Ulm mit Strafen von 600 bis über 1000 € geahndet.

 

  1. Wer kommt für Schäden auf, die vom Biber verursacht werden?

In Baden-Württemberg gibt es wie in den allermeisten Ländern außer Bayern keinerlei Entschädigung für Biberschäden. Den Schaden trägt im Prinzip der Betroffene. Deshalb haben die Länder das Bibermanagement eingerichtet, das dazu beiträgt, Konflikte zu lösen und Schäden zu minimieren. Die Naturschutzgesetze schränken die Handlungsmöglichkeiten ein, aber meistens kann ein für den Betroffenen und den Biber akzeptabler Kompromiss gefunden werden. Nicht in Frage kommen folgende Maßnahmen: Töten, Fangen, Vertreiben, Zerstörung des Baus oder der Burg. Nur im äußersten Notfall erlaubt ist das Entfernen eines Dammes (hier muss das Regierungspräsidium zustimmen!). Dennoch stehen noch viele Maßnahmen zur Verfügung, durch die  Schäden gering gehalten werden können. Erster Ansprechpartner ist der Biberberater des Alb-Donau-Kreises für das Lonetal, der unter der Telefonnummer (07336) 6660 erreichbar ist. Er spricht mit dem Betroffenen und der für die Lone zuständigen Gemeinde die durchzuführenden Maßnahmen ab. Wichtig: Im Winter werden keine Maßnahmen an den Biberdämmen durchgeführt.

 

  1. Welche Maßnahmen können Grundstücksbesitzer an der Lone selbst ergreifen?

Wertvolle Bäume können durch stabile Drahthosen geschützt werden. Ein im Boden fest verankerter Drahtzaun hält Biber vom Eindringen ab. Für landwirtschaftliche Flächen sind knapp über dem Boden gespannte Elektrozäune denkbar. Biberröhren und eingebrochene Biberröhren dürfen aufgefüllt werden, die erneute Grabung einer Röhre mit einem eingeschlagenen Blech oder einer stabilen Schaltafel verhindert werden. Zur Trockenlegung landwirtschaftlicher Flächen während der Bewirtschaftungszeit darf der Biberberater Veränderungen an den Dämmen vornehmen oder gar durch die Gemeinde Drainagen einbauen lassen. Welche Maßnahme durchgeführt werden darf, entscheidet der Biberberater oder in gravierenden Fällen das Regierungspräsidium.

    

Biber-Spuren

Biberburg in Lonsee
Biberburg in Lonsee

Biber sind nachaktiv und daher am Tage nur selten und sehr zufällig zu beobachten. Aber seine Spuren finden wir überall an der Lone. Er ist Vegetarier und frisst im Sommer Gras, Getreide, Zuckerrüben, Kräuter und sehr gerne Raps oder Mais. Wir finden seine Fressplätze, seine Ausstiegstellen am Bach, seine Wege zu den Leckerbissen. Im Winter stellt er sich um auf Holz, Rinde und Knospen. Dazu fällt er Bäume und nagt sie völlig ab. Sinnlos ist es, diese gefällten Bäume im Winter wegzuräumen, denn der Biber wird dadurch zu weiteren Fällungen gezwungen. Also: So lange der Verkehr auf Straßen und Wegen nicht gestört wird, alles liegen lassen und erst im Frühjahr, wenn die Feldbestellung beginnt, die gefällten Bäume beseitigen.

Schutzstatus

Der Biber steht unter strengstem Schutz. Er gehört zu den nach § 42 BNatSchG besonders geschützten Arten und ist gleichzeitig im Anhang II des NATURA 2000 - Programms der EU aufgeführt. Das heißt, dass der Biber weder gefangen, getötet oder auch nur beunruhigt werden darf. Seine Lebensstätten (Burgen, Baue, Dämme, Bäche, Nahrungsreviere) dürfen nicht beeinträchtigt oder zerstört werden. Wenn der Biber wirtschaftlichen Schaden anrichtet, besteht kein Anspruch auf Entschädigung. In besonders begründeten Fällen darf die für den Gewässerunterhalt zuständige Körperschaft mit Genehmigung der Höheren Naturschutzbehörde eingreifen. Um dies praktikabel zu machen, hat das Land Baden-Württemberg (wie auch Bayern) ein Biber-Management eingerichtet.