BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Die Saison ist eröffnet: Start der Amphibiensammlung am 27. März

Die Sanierung der Schacht. Nur ein Traum?

Seit Jahren fällt die Schacht für lange Zeit komplett trocken. Das Gras ist inzwischen hüfthoch und sorgt durch die Wurzeln für eine Kapillarwirkung, durch die das wenige Wasser versickert. Wenn wir dieses wertvolle Natura 2000 Gebiet erhalten wollen, muss dringend etwas geschehen. Weder vom Regierungspräsidium, noch von der Unteren Naturschutzbehörde oder von der Gemeinde Lonsee gibt es Signale dafür.

Deshalb trafen wir uns mit einem Fachmann, um die Schacht in Urspring genauer zu besichtigen. Das Treffen bildet die Grundlage für unser Sanierungskonzept. Wir wollen, dass wieder Wasser in der Schacht steht und nicht nur hüfthohes Gras. Bis dieses Ziel erreicht wird, sind viele Förderanträge und jede Menge Arbeit zu erledigen. Aber, da es uns auch bei der Heide auf der Halde gelungen ist, das Geld zu akquirieren sind wir auch bei der Schacht guter Hoffnung. Auf dass sich Kammmolch, Laubfrosch und Kröten wieder vermehren.

Bilder aus dem Frühjahr 2015

Laubfrosch von der Seite
von oben
und von vorne

Amphibienschutz in Zahlen

  2006 2007 2008 2009 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Erdkröten 3550 1095 4376 2455 2616 702 1467 427 983 638 492
Laubfrösche 156 8 145 6 0 7 67 - 28 - 2
Berg-/Teichmolche 1670 516 1885 1082 967 1329 1545 610 1264 900 492
Kammmolche 43 15 152 87 42 106 95 9 62 66 16

Amphibienschutz in Urspring

Ca. 20 Helfer finden sich jedes Jahr, die uns dabei unterstützen, die Amphibien mit Hilfe eines Schutzzaunes zu bergen, zu sammeln, zu zählen und sie schließlich über die K7318 zur Schacht, ihrem Laichplatz, zu bringen. Wie man anhand der Zahlen sehen kann, ist die Aufgabe nicht gering. Anfangs ein großer Erfolg: Innerhalb von 16 Jahren konnte der BUND die Zahlen um etwa das 20fache erhöhen! Leider geht es aber seit etwa 10 Jahren in die andere Richtung: Schwindende Lebensräume, Pestizide und immer weniger Wasser in der Schacht machen den Amphibien das Überleben schwer.

Wir wagen die These, dass ohne unsere Aktivität die Population inzwischen ausgestorben wäre, weil durch die Industrieansiedelung innerhalb des Wandergebietes den Amphibien der Weg versperrt wurde. Trotzdem – die Schacht ist anerkanntes FFH (Flora-Fauna-Habitat-) Gebiet und durch das Vorkommen des sehr seltenen Kamm-Molches weit über die Grenzen Lonsees hinaus bekannt.

Einen ganz herzlichen Dank und Anerkennung an dieser Stelle für all die freiwilligen Helfer, die uns jedes Jahr tatkräftig unterstützen. Wir bleiben dran!

Amphibienschutz 2015

Jedes Jahr, wenn die Zeit der Amphibienwanderung bevorsteht, fragen sich die Beschützer von Erdkröten, Berg-, Teich- und Kammmolch bang, wie wohl das Frühjahr ausfallen wird und ob der Grundwasserspiegel hoch genug sein wird, um das Laichgewässer, die Schacht, mit Wasser zu füllen.
Leider war auch das Frühjahr 2015 zu trocken. Während der Wanderung der Amphibien schwankten die Temperaturen zwischen minus 4 Grad Celsius und 15 Grad plus. An 31 Tagen herrschte Trockenheit und nur an 8 Tagen – leider nicht ausreichend – Regen und auch 2 Tage mit Schnee waren dabei.
Der Amphibien-Schutzzaun wurde am 19. März 2015 aus dem Winterquartier in Ettlenschieß geholt und mit Hilfe von 2 Mitarbeitern der Straßenmeisterei Merklingen in Urspring an der Reuttier Straße (K7318) aufgestellt. Diese Unterstützung wurde uns nur nach Rücksprache unserer Vorsitzenden mit dem Landratsamt zugestanden.

Danach nahmen insgesamt 10 freiwillige Helfer ihre Arbeit auf. Sie waren immer tageweise eingeteilt und kontrollierten jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit und jeden Morgen die Eimer am Zaun, bargen die Tiere und brachten sie, nachdem diese nach Erdkröten, Bergmolchen, Teich- und Kammmolchen klassifiziert und gezählt waren, an die Schacht. Der direkte Weg ist durch das Gewerbegebiet weitgehend versperrt.

Auch bei uns Naturschützern hat die Bürokratie Einzug gehalten. Die Ehrenamtlichen müssen auf ihrem Vordruck penibel ihre Arbeitszeit, die gefahrenen Kilometer, die Temperatur und die Wetterverhältnisse nach Regen, Trockenheit und Feuchtigkeit festhalten. Am 06. Mai Morgens wurde zum letzten Mal  gesammelt. Noch am gleichen Tag wurde von zwei BUND-Mitgliedern und zwei Mitarbeitern der Straßenmeisterei Merklingen der Amphibienschutzzaun abgebaut und eingewintert.

In den davor vergangenen Wochen hatte sich an der tiefsten Stelle der Schacht etwas Wasser gesammelt und wir hofften, dass die Schacht nicht trockengefallen war, bevor der Amphibiennachwuchs seine Entwicklung beendet hatte. Und: Es gibt noch eine stille Reserve, die sogenannte Hintere Schacht, eine kleine Feldhüle an dem Weg entlang der Bahnlinie in Richtung Amstetten. Sie wurde vor Jahren von der BUND-Gruppe Lonsee mit einer Teichfolie versehen, damit das Wasser nicht versickern kann. Im Februar 2016 wurde mit Hilfe der Firma Salzmann aus Urspring und freiwilligen Helfern die Sanierung in Angriff genommen. Etliche Bäume und viele Sträucher wurden entfernt, weil die Hüle inzwischen so beschattet war, dass sie als Laichgewässer nicht mehr angenommen wurde. Wir sind gespannt, wie sich das Leben dort entwickeln wird.

Es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass sich Jahr für Jahr Menschen finden, die bei jedem Wetter helfen, die eingegrabenen Fangeimer zu kontrollieren und zu leeren. Wir wollen deshalb nicht versäumen, ihnen unseren allerherzlichsten Dank für ihren Einsatz zu sagen und sie zu bitten, auch weiterhin zum Wohle unserer Amphibien mitzuarbeiten.

Jahresbericht Amphibien 2012:

Die feste Leiteinrichtung für Amphibien, auf deren Fertigstellung 2011 wir uns so gefreut hatten, ist leider immer noch unvollständig und weitere Zuschüsse vom Land sind nicht zu erwarten. Da beim großen Durchgangstunnel die Zähleinrichtung weiterhin fehlt, können wir nicht feststellen, ob die Kröten und Molche den Durchlass überhaupt angenommen haben und wenn ja, wie viele Tiere es waren. Auf der anderen Straßenseite fehlt immer noch ein Holzzaun einschließlich Bepflanzung, der verhindern soll, dass sich die Amphibien ins Gewerbegebiet verirren und den Weg zur Schacht nicht finden.

Das sind längst überfällige Ausgleichsmaßnahmen, die von der Naturschutzbehörde festgelegt wurden, weil direkt im Anschluss an das Naturschutzgebiet Schacht (zugleich ein besonders geschütztes Flora-Fauna-Habitat) ein Gewerbegebiet ausgewiesen worden war. Die zugesagte Unterstützung von amtlicher Seite hat bis jetzt nichts bewirkt.

So ging uns die Arbeit im Frühjahr nicht aus. Von der Einmündung der Alten Reuttier Straße in Richtung B 10 musste die bewegliche Leiteinrichtung von der BUND Gruppe aufgestellt werden. Am 10. März 2012 machten sich fünf Mann an die Arbeit. Wir mussten ein zusätzliches Zaunteil anbringen, um die Amphibien von der Straße ab- und zum festen Zaun umzulenken. 14 ehrenamtliche Helfer/-innen machten sich dann jeweils täglich morgens und abends auf den Weg, um den Amphibien den Weg zur Schacht zu erleichtern. Der März war ungewöhnlich trocken, viele Nächte brachten noch frostige Temperaturen. Die Schacht hatte einen - wenn auch niedrigen - Wasserstand.

Aber Ende März war das wenige Wasser verdunstet. Im April wurde es etwas wärmer und feuchter, aber die Schacht blieb trocken. Das Ergebnis zeigt, dass 2012 weniger ein Erdkröten als vielmehr ein Molchjahr war. Am Freitag, 27. April wurde der bewegliche Zaun von fünf BUND Mitgliedern abgebaut und in die Hütte nach Ettlenschieß gebracht. Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei den ehrenamtlichen Helfern, die sich wieder so zuverlässig für den Amphibienschutz eingesetzt haben, verbunden mit der Bitte, sich auch 2013 so engagiert wieder um die Molche und Kröten zu kümmern.

Manche unserer älteren BUND Mitglieder sind wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr in der Lage, beim Amphibienschutz zu helfen. Falls Sie einmal in der Woche morgens oder abends eine oder anderthalb Stunden für den Amphibienschutz erübrigen können, freuen wir uns über Ihren Anruf!
Silvia Kählert, Tel. 57 08, Elke Frey, Tel. 65 95 oder Brigitte Kley, Tel. 2 70.

Zum Schluss noch eine hübsche Episode: Ein Igel hatte es geschafft, bei Nacht in einen der Fangeimer zu plumpsen. Die Rettung gestaltete sich schwierig, denn feste Arbeitshandschuhe hatten wir nicht dabei. Der rettende Engel musste ein paar Blutstropfen spenden und der Igel trollte sich ohne Dankeschön davon…

Eine Erdkröte freut sich über ihre Rettung
Erdkröte
Der kleine Bergmolch hat eine schöne blaue Farbe
Bergmolch

Jahresbericht Amphibien 2009:

 

13. 03.   Der Amphibienschutzzaun wird aus dem Winterquartier geholt und in Urspring an der Reuttier Straße gelagert. Der Zaun kann leider nicht aufgestellt werden, der Boden ist noch zu tief gefroren.

 

28.03.    Die ersten Kröten und Molche machen sich auf den Weg, doch der Boden ist immer noch fest gefroren.

 

29.03.    Es werden vier Gruppen gebildet und eingeteilt. Von 19 bis 24 Uhr wird die Straße kontrolliert und die Kröten und Molche eingesammelt.

 

30.03.    Der Zaun kann endlich unter großen Mühen aufgestellt werden. Die beiden BUND Mitglieder werden von vier Helfern der Gruppe BUND Naturschutz Alb-Neckar Geislingen tatkräftig unterstützt. Jeden Morgen und Abend sind nun die 15 freiwilligen Amphibien-Sammler unterwegs, um die Tiere zu bergen und sie zur Schacht zu tragen, da ihr Wanderweg zum Laichgewässer durch das Gewerbegebiet versprerrt ist.

 

04.04.    Wie jedes Jahr treffen sich ab 7.30 Uhr die Kinder vom Abenteuer-BUND mit Petra Wolf und Martin Kley am Zaun in Urspring, um sich theoretisch und praktisch mit der Amphibienwanderung zu befassen.

 

07.04.    Schon um 6.30 Uhr wollten die Kinder vom Kindergarten Urspring zusammen mit zwei Erzieherinnen von Martin Kley abgeholt werden. In Gummistiefeln und mit Eimerchen versehen ging es zum Krötenzaun. Die Freude war groß, wenn eine Kröte oder ein Molch aus dem Fangeimer geholt werden konnte, und auch die zunächst etwas ängstlicheren Kinder hielten bald ohne Scheu Kröten oder Molche auf der flachen Hand. Von Frau Heß waren die Kinder wie jedes Jahr gut auf den naturkundlichen Ausflug vorbereitet.

 

24.04.    Der Amphibien-Schutzzaun wird abgebaut. Die Fangeimer werden mit Deckeln verschlossen.

 

25.04.    Der Zaun wird auf den Anhänger geladen und ins Winterquartier gebracht.

 

02.05.    Die Fangeimer werden entfernt und die Gruben mit Häcksel aufgefüllt.

 

10.06.    8.30 Uhr. Zusammenkunft an der Reuttier Straße in Urspring mit den Herren der Unteren Naturschutzbehörde, Seitz, Koch und Hohnecker, dem Leiter der Kreisstraßenmeisterei Maier, dem Naturschutzbeauftragten Dr. Muhle, BM Ogger, Ortsvorsteher Schmid, sowie den Anliegern am Wandergebiet der Amphibien, P. Prinzing, S. Granat, G. Rösch. 

                Es wird eine stationäre Leiteinrichtung von 450m entlang der Reuttier Straße zugesagt, mit einer Untertunnelung, die inzwischen von der Firma Granat als Ausgleichsmaßnahme für die Firmenansiedelung gebaut worden ist. Unsere Probleme werden dadurch wohl nicht gelöst, da die Richtlinien Durchlässe im Abstand von 50m vorschreiben. Außerdem muss die neue Untertunnelung aufg ihre Funktionstüchtigkeit untersucht werden. Tägliche Zählung und Dokumentation ist nötig. Die Wanderstraße der Amphibien rechts der Reuttier Straße zur Schacht als ihrem Laichgewässer ist durch das Gewerbegebiet mit immer weiterer Bebauung praktisch unpassierbar geworden. Die Anlieger wurden von der Naturschutzbehörde des Landratsamtes verpflichtet, eine Leiteinrichtung für die Tiere zu schaffen.

                Rund 105 Arbeitsstunden haben die ehrenamtlichen Helfer für den Amphibienschutz aufgebracht. Wir bedanken uns herzlich und hoffen, dass sie auch 2010 wieder zur Stelle sein werden, wenn es heißt: „Kröten und Molche sind wieder unterwegs!“ Im Jahr 2009 konnten 2.455 Erdkröten, 546 Bergmolche, 536 Teichmolche, 87 Kammmolche und 6 Laubfrösche geretten werden.

Martin Kley

 

Jahresbericht Amphibien 2008:

Die frühzeitige Flutung der Schacht bis zum Rand berechtigte unsere Hoffnung auf eine erfolgreiche Laichsaison. Der durchgefrorene Boden hinderte uns daran, die Fangeimer und die Folienhalter der Leiteinrichtung rechtzeitig einzurichten. Schon am 26. Februar waren die ersten Erdkröten auf der Wanderschaft. Bis zum 3. März mussten wir die Frühwanderer von der Straße einsammeln. Die früh und abends vorgenommenen Notbergungen auf der 400 Meter langen Stecke erfordeten einen hohen personellen Einsatz. Allein am 29.2. konnten 88 Erdkröten geborgen werden. Es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass sich Jahr für Jahr Leute finden, die bei jedem Wetter helfen, die eingegrabenen Fangeimer und Leitzäune zu kontrollieren und zu leeren. Heuer setzten sich wieder 21 Helfer dafür ein, dass wenigstens der größte Teil der Erdkröten, Laubfrösche sowie die Berg-, Teich- und Kammmolche nicht unter die Räder kamen. Die Gesamtzahl der geborgenen Amphibien war die höchste seit Einführung unserer Schutzbemühungen im Jahr 1994.

Martin Kley

Jahresbericht Amphibien 2007:

2007 fiel die Wanderung der Amphibien bedeutend geringer aus als im Rekordjahr 2006, das man mit 3 monatiger Schneebedeckung schon als Ausnahmejahr bezeichnen konnte. Den Amphibien war eine ungestörte Zwangsruhe verordnet, die nach meiner Beobachtung zumindest den Erdkröten gut getan hat, die sich in sichtlich besserer körperlicher Verfassung befanden.


Der Winter 2007, der keiner war, könnte passend zu der oben erwähnten Beobachtung mit für den Rückgang der wandernden Populationen von Erdkröten, Molchen und Laubfröschen verantwortlich sein. Wir hatten grob erfasst einen Rückgang der Laichpopulationen um 2/3 des vorjährigen Bestandes. Krass kann man den Einbruch bei den Laubfröschen und Kammmolchen nennen. Der sonnige und völlig niederschlagslose April hat ihnen sicher geschadet. Nun blieb uns nur die Hoffnung auf einen Schnee- und regenreichen Winter 2008.

Es gibt ausser der Austrocknung des Laichgewässeres noch andere Faktoren, die zum Zusammenbruch von Populationen führen können. Dazu  gehört in erster Linie der Verlust von Lebensräumen durch menschliche Eingriffe. Eine Übervölkerung, verschärft durch Nahrungsmangel, erzeugt eine größere Anfälligkeit für virale und bakterielle Infektionen, schwerwiegende Pilzerkrankungen und erhöten Parasitenbefall. Chronische und akute Belastungen von Gewässern durch Abwässer von Haushaltungen, Industrie und Landwirtschaft sind eine goße Gefahr. Die Haut von Amphibien, besonders der ständig im Wasser lebenden Frösche, ist als wichtiges Resorptionsorgan für die Atmung ein hoch empfindlicher Anzeiger für Umweltgifte.

Weltweit in der Medizin gebräuchliche Steroidhormone führen in geringsten Mengen bei Fischen, Amphibien und im Wasser lebenden Reptilien zu Fehlbildungen, besonders der Fortpflanzugsorgane. Gleichermaßen führt eine zu intensive UV-Bestrahlung zur Ausrottung von ganzen Froschpopulationen. Viele Biologen sind sehr besorgt über den Artenschwund, der weltweit zu beobachten ist. Bringen wir es dazu, dass die Wirbeltierklasse der Amphibien, die seit 350 Millionen Jahren die Erde bevölkert, binnen weniger 100 Jahren verschwinden muss?

Die mehr als kläglichen Versuche, den Raubbau der Meeresfischerei zu stoppen, zeigt nur eines: Wider jeglicher Vernuft kennt die Räubermentalität unsrerer Wirtschaftsformen keine Grenzen.

Martin Kley

Quelle: http://lonsee.bund.net/projekte/amphibienschutz_in_urspring/